Hallo!

Ich bin Lisa Jopt und kandidiere aktuell als Präsidentin für die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger – GDBA. Im Mai 2021 wird nämlich auf dem Genossenschaftstag in Weimar eine neue Präsidentin von den Delegierten gewählt. Ich arbeite als freischaffende Schauspielerin für TV, Hörfunk und das Kollektiv „Rumpel Pumpel Theater.“ Außerdem habe ich mit verschiedenen Mitstreiter:innen seit 2016 drei verschiedene, jährlich stattfindende kulturpolitische Konferenzen initiiert, deren künstlerische Leiterin ich bin: die Bundesweite Ensemble-Versammlung, die Konferenz Konkret und Burning Issues.

Motivation

Als ich 2015 ans Oldenburgische Staatstheater kam, stellte ich fest, dass sich durch zugewandte Gespräche, Empathie und Humor viele Probleme lösen lassen, von denen es vorher hieß, wenn wir das umsetzen würden, dann ginge das Theater kaputt. Das Theater ist aber nicht kaputt gegangen. Im Gegenteil. Wir haben Theatermitarbeiter:innen zu mehr Gerechtigkeit, Freude und Lebensqualität verholfen. Dadurch wurde ich jedes Jahr motiviert noch größer zu denken als im Vorjahr.

Als logische Konsequenz möchte ich nun Präsidentin werden und das Wissen und die Kontakte der letzten Jahre nutzen, um da wirksam zu werden, wo der Tarifvertrag gemacht wird: in der GDBA. Ich möchte meine Ideen und Energie mit den Menschen teilen, die sich schon lange in der GBDA einsetzen, aber auch neue Menschen motivieren, sich mit einzubringen. Denn wir brauchen einen Tarifvertrag, der gerechte Bezahlung, sozialen Schutz, Mitsprache und Arbeitszeiten viel deutlicher regelt. Wir brauchen außerdem Regelungen für Solo-Selbstständige; wir benötigen eine visuelle Kommunikation, die unsere Ziele nachvollziehbar macht und Menschen motiviert, sich zu engagieren.

Die GDBA muss den Gestus der entfremdeten Lohnarbeit ablegen und sich als das zeigen, was sie ist: eine Gewerkschaft von Theaterexpert*innen vieler fantastischer Gewerke, die das Theater und ihre Berufe lieben.

Außerdem schließe ich mich der Forderung des 1. Genossenschaftstag 1871 in Weimar an: „ … (wir brauchen ein) Konzessionsgesetz, um die Zulassung der Theaterleiter von deren Eignung abhängig zu machen und die Bühnenangehörigen vor Willkür des Theaterleiters zu schützen“.

Ziele

Der Leitspruch der GDBA muss der Wille zu Veränderungen, Erneuerungen und zu progressiven Kompromissen sein, so wie es auch für die Theater gilt. Relevanz entsteht aus Visionen und Veränderung. Somit verstehe ich meine Amtszeit als einen großen Wandel.

Ziele3000

3.000,- Euro Einstiegsgage 

Einführung eines Mindestgagen-Stufensystem

Begrenzung der Arbeitszeit auf max. 40 Stunden

Berufsspezifische Pauschalen für Vor- und Nacharbeiten

Fünf probenfreie Tage nach einer Premiere

Ensemblesprecher*innen sollten ein Informationsrecht in allen Fragen der künstlerischen und sozialen Planung haben, sowie ein Diskussions- und Beratungsrecht in allen organisatorischen Belangen. Sie sollten während ihrer Sprecher*innen-Tätigkeit und bis zu zwei Jahre danach vor Nichtverlängerungen geschützt werden.

Abschaffen von Proben nach Ansage.

Nicht-Verlängerungsgrund Intendantenwechsel abschaffen

Abfindungen bei Nicht-Verlängerungen wegen Intendantenwechsel von mindestens einer Jahresgage

Ausgleich der Kosten für die Kinderbetreuung

Schutz vor Nicht-Verlängerungen bis ein Jahr nach Ablauf der Elternzeit

Diese Vorschläge stammen aus dem Paper Ziele3000 des ensemble-netzwerks.

Außerdem

Bildung. Die GDBA braucht ein regelmäßig spannende und moderne Fortbildungen anbietendes Bildungsinstitut. Z.B: Mehr NV-Bühne-Fortbildungen für Ensembles & Personalräte (wie Adil Laraki es bereits tut), Rechte für Berufsgruppen, Antirassismus-Workshops, Wegweiser für Freischaffende, Transistion-Begleitung für Tänzer*innen, Selbstständigkeit für Künstler*innen, Altersvorsorge für Dummies, Finanzbuchhaltung für hybride Beschäftigungsverhältnisse. Denkbar wäre auch, dass Mitglieder selber Workshops anbieten und sich damit etwas dazu verdienen können.

Branchentreff. Wer Arbeitskampf kann, der muss auch Party können. Einmal im Jahr sollen sich alle Mitglieder am Rande des Theatertreffens in Berlin zum Netzwerken und Feiern treffen. Es gibt aktuell kein Format, in dem alle GDBA-Mitglieder die Chance haben, sich zu begegnen. Nicht einmal beim Genossenschaftstag. Bei der Berlinale platzt Berlin aus allen Nähten. Beim Theatertreffen haben alle eher das Gefühl nicht eingeladen zu sein. Bei unserem Branchentreff soll es um die gemeinsame Identität und die uns daraus stärkende Energie gehen.

Diversität. Die Bedürfnisse von Menschen mit marginalisierten Perspektiven müssen durch die GDBA gestärkt werden.

Departments. Die Berufsgruppen ATuV, Opernchor, Solo & Tanz müssen sich in Departements aufgleisen, so dass Kolleg*innen mit dem gleichen Beruf die Gelegenheit haben sich auszutauschen z.B. in Online-Meetings. Beispielsweise haben Maskenbilder:innen, KBB-Mitarbeiter:innen und Opernsänger:innen den gleichen NV-Solo, aber ganz unterschiedliche berufliche Bedürfnisse.

Englisch. Wir brauchen mehr englischsprachigen Content für internationale Kolleg*innen!

Genossenschaftstag. Der Genossenschaftstag muss jedes Jahr stattfinden, so wie es in der Satzung der GDBA vorgesehen ist. Er ist das höchste Gremium und wird aktuell nur alle vier Jahre abgehalten.

Gagengerechtigkeit. Die Differenzen bei der tariflichen Behandlung von Kollektiven und Solist:innen müssen überwunden werden. In der GDBA gibt es 199 Chormitglieder und ca. 3.300 Solist:innen – warum verdienen die Chormitglieder aber mehr als die Solist:innen?

Junge Plattform. Wir brauchen ein Organ für Studierende und Berufsanfänger*innen.

Kooperation. Angestrebt werden Kooperationen mit anderen Verbänden, u.a. um Mehrfachmitgliedschaften zu entlasten.

Magazin. Die „Bühnengenossenschaft“ muss ein cooles Magazin werden auf das man sich einmal im Monat richtig freut. Es ist ein Aushängeschild der GDBA, liegt in Kantinen aus und kann so neue Mitglieder generieren.

Podcasts. Podcasts sind ein umkompliziertes BildungstoolIch möchte verschiedene Podcasts zu produzieren, die den Bedürfnissen der Mitglieder entsprechen. Z.B. „Theaterleute fragen – Expert:innen antworten“ oder ein Podcast über „Diversität in Kultur und Medien“.

Stars in die GDBA – Warum kämpfen eigentlich hauptsächlich die Kolleg:innen der kleinen und mittleren Häuser sowie die Freischaffenden für bessere Arbeitsbedingungen? Warum nicht die Stars? Die Kolleg:innen, die fest im Sattel der Branche sitzen und nichts zu befürchten haben? Solidarität muss man tun. Also rein mit Euch und herzlich Willkommen! Tut es für Eure Souffleuse oder euren Regieassistenten …

YouTube-Kanal. Ich möchte einen Youtube-Kanal aufbauen, auf dem man sich über aktuelle Themen informieren und grundsätzliches Know-How erwerben kann. Die GDBA muss „googlebarer“ werden. Wissen über die Rechte und Pflichten muss leichter zugänglich gemacht werden.

About me

2010 habe ich mein Schauspieldiplom an der HMT Leipzig gemacht und war danach am Schauspiel Essen, am Oldenburgischen Staatstheater und am Schauspielhaus Bochum engagiert. Ich habe den NV-Bühne also „am eigenen Leib“ erfahren. Seit 2018 arbeite ich freischaffend und lebe seit 2019 in Bayern. Hier geht es zu meinem About me als Schauspielerin.

2015 habe ich mit der damaligen Regieassistentin Johanna Lücke die „Küchentischbewegung“ ensemble-netzwerk gegründet, die sich 2016 zu einem gemeinnützigen, eingetragenen Verein mit einem achtköpfigen Vorstand entwickelt hat. Das ensemble-netzwerk setzt sich, wie die GDBA, für bessere Arbeitsbedingungen an den öffentlich geförderten Theatern ein. Es hat seit 2018 eine Geschäftsstelle in Berlin, vier freie Mitarbeiter:innen und nahezu 900 Mitglieder. Zur Netwerkgruppe gehören das junge ensemble-netzwerk, das regie-netzwerk und das dramaturgie-netzwerk. Auch das theaterautor:innen-netzwerk, das assistierenden-netzwerk, das BIPoc-netzwerk und das theatervermittlungs-netzwerk haben ihre Gründung unter unserem Dach angekündigt. Das ensemble-netzwerk fühlt sich dem Verband dancersconnect sehr nah.

Als erste Vorsitzende bin ich im Vorstand für meine Leidenschaft bekannt, gesellschaftspolitische Inhalte in ästhetische Formen zu bringen, in Verhandlungspartner:innen Verbündete statt Gegner:innen zu sehen sowie acht anspruchsvolle und sehr eigene Typen gleichwertig und als Team zu moderieren. Mir liegen die vielen Berufe und Freigeister, die das Theater unter einem Dach vereint, nicht nur am Herzen – sie begeistern mich. Deswegen habe ich mich im ensemble-netzwerk sehr stark dafür eingesetzt, dass wir allen Berufsbildern einen sicheren Hafen für ihre Interessenarbeit bieten. Denn Theatermachen ist komplex, man muss es gemeinsam denken. You are not alone!

 

FAQ

Wie hast du dich in der Gewerkschaft engagiert? Seit meinem Erstengagement am Schauspiel Essen bin ich Mitglied in der GDBA. Zur ersten Konferenz Konkret 2015 haben wir Jörg Löwer als Speaker eingeladen und bei der ersten Bundesweiten Ensemble-Versammlung (BEV) 2016 saß er ebenfalls auf einem Panel. 2017 sprach die Landesvorsitzende Nord Sabine Nolde bei der zweiten BEV in Potsdam. 2018 luden wir Adil Laraki ein, bei der dritten BEV Gast unserer Podiumsdiskussion zu sein. Bei der letzten Konferenz Konkret sprach Natalie Senf über die Situation der Theater in Ostdeutschland. Die GDBA hat fast alle Konferenzen, die wir veranstaltet haben, mitfinanziert. 2017 sind Johannes Lange und ich zum Genossenschaftstag nach Dortmund gefahren, wo wir als Lokalverband Oldenburg sehr viele Anträge erarbeitet und gestellt haben. 2018 habe ich den Lokalverband am Schauspielhaus Bochum gegründet.

Warum hast du das ensemble-netzwerk gegründet? Die Sprache und Ästhetik der GBDA haben uns als junge Künstler:innen im Jahr 2015 leider nicht abholen können. Viele unserer Kolleg:innen wussten nicht, dass es die GDBA gibt oder was sie macht. Wir sahen dort nicht unsere Themen wie Samstagsproben, Angst, Homeoffice für Dramaturg:innen, Gagentabellen oder Kinderbetreuung widergespiegelt. Johanna Lücke und ich haben als Ensemble-Sprecherinnen in kurzer Zeit vor Ort in Oldenburg sehr viel erreicht, wie z.B. die Samstagsproben zu reduzieren. Diese unkomplizierte Selbstwirksamkeit hat uns beeindruckt. Also fragten wir bundesweit bei den Ensembles nach, was sie brauchen, um künstlerisch gut arbeiten zu können. Der Rücklauf war so überwältigend, dass schnell klar war: Wir müssen uns treffen! So gründete sich das ensemble-netzwerk. Es steht ungefähr so im Verhältnis zur Gewerkschaft wie Greenpeace zu den Grünen.

Was magst du an der GDBA? Die Mitglieder! Dass es die Gewerkschaft schon lange gibt, zeigt mir auf eindrückliche Weise, dass Theater zu unserem Kulturkreis gehört und der Kampf für bessere Bedingungen sich immer lohnen wird, um unsere Bedeutung zu stärken.

Warum bist Du Mitglied bei ver.di gewesen? Bei einer Mitgliederversammlung 2019 in Berlin haben sich unsere Mitglieder gewünscht, dass wir uns mit der Gewerkschaft ver.di auseinandersetzen. Ein gängiges Narrativ ist, dass ver.di die GDBA „schlucken“ möchte. Oder „alles platt macht“ – also die künstlerische, prozessorientierte Arbeit kaputtregulieren will. Aber dem ist nicht so. Ver.di hat uns das Konzept der „bedingungsgebunden Gewerkschaftsarbeit“ vorgestellt. Das bedeutet, ver.di könnte für ein Ensemble (wenn die meisten denn Mitglied sind) die Konditionen für das Ensemble verhandeln, die es für richtig hält. Nach diesem spannenden Treffen bin ich eingetreten, um die Ernsthaftigkeit des Austauschs zu unterstreichen. Für die Kandidatur bin ich am 23. November aus ver.di ausgetreten.

Was sind deine Stärken in 3 Worten? Energie, Humor, Schnelligkeit

Deine Schwächen in 3 Worten? Ungeduld, Rotwein mit Käse, Münzschieber auf der Kirmes

 

About my political work

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2010–2013

  • Engagement am Schauspiel Essen, Eintritt in die GDBA

2010

  • Schauspiel-Diplom an der HMT „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

 

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